West-Nil-Virus bei Pferden

Klinik:

Das West-Nil-Virus (WNV) ist ein behülltes Einzel-Strang-RNA-Virus, das zur Familie der Flaviviridae zählt. Das WNV wird durch eine Vielzahl von Stechmücken übertragen und ließ sich bereits in mehr als 40 Mückenspezies und mehreren Zeckenarten nachweisen. Das Vertebraten-Reservoir stellen Vögel dar. Auch Säugetiere können als Zufallswirte durch den Stich einer infizierten Stechmücke infiziert werden.

Außer dem Menschen erkranken meist nur Pferde nach natürlicher Infektion. Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 15 Tagen zeigen Pferde meist eine kurze Virämie mit niedrigen Virustitern. Generell gelten Menschen und Pferde aufgrund der niedrigen Virämie als Endwirte. Nur ungefähr 10 % der infizierten Pferde zeigen klinische Symptome. Die ersten Anzeichen sind eher unspezifisch und äußern sich durch Fieber, Depression, Inappetenz und Koliken. Im Verlauf treten meist neuronale Störungen auf, die zu Lahmheiten und Ataxie, bis hin zu einer Parese führen und als prädominante klinische Symptome gelten. Seltener kommt es zu Beeinträchtigungen der Gesichtsnerven, Lichtempfindlichkeit und Erblindung, Muskelzucken sowie allgemeiner Überempfindlichkeit und Wesensveränderungen.

Erholen sich Pferde von einer milden Infektion, so dauert die Regeneration in der Regel 2 bis 7 Tage. Bei einer schweren Infektion kann die Erholungsphase 20 Tage bis mehrere Wochen dauern. Bei 20 % der Pferde, die eine Infektion überstanden haben, kommt es zu Folgeschäden wie Gewichtsverlust, Lethargie, Ataxie und Beeinträchtigungen der Hirnnerven. Bei ungeimpften Pferden verlaufen 24 % - 45 % der klinischen Fälle tödlich. Intensivmedizinische Betreuung ist derzeit die einzige Möglichkeit, das Krankheitsbild günstig zu beeinflussen. Ein Impfstoff mit Formalin-inaktiviertem WNV steht für Pferde zur Verfügung.

Diagnostik:

Die Diagnose einer WNV-Infektion erfolgt durch den direkten Virusnachweis oder durch den Nachweis spezifischer Antikörper. Bedingt durch die kurze Virämie-Phase gelingt der Direktnachweis der Viren bei lebenden Tieren meist nicht. Post mortem lassen sich Viren im Gehirn oder Rückenmark der Pferde nachweisen z.B. mittels der Reversen Transkriptase-PCR (RT-PCR). Somit kommt dem serologischen Nachweis spezifischer Anti-WNV-Antikörper mittels ELISA und IIFT eine besondere Bedeutung zu. Spezifische IgM-Antikörper lassen sich im Pferdeserum nach 7 bis 10 Tagen nachweisen und verbleiben meist 1 bis 2 Monate, können jedoch auch deutlich länger persistieren und erschweren somit die Diagnose frischer WNV-Infektionen. Zudem ist der Nachweis von IgM-Antikörpern oft problematisch, da neben der Persistenz weitere Störfaktoren wie z. B. zu schwache bzw. keine oder verzögerte IgM-Bildung oder unspezifische IgM-Bildung durch polyklonale B-Zell-Stimulation auftreten können. Der Nachweis niedrig-avider Antikörper der Klasse IgG bietet einen zusätzlichen Parameter zur serologischen Bestimmung frischer WNV-Infektionen. WNV-spezifische IgG-Antikörper lassen sich für mindestens 15 Monate nach der Infektion nachweisen.

Die Differentialdiagnose umfasst weitere Arbovirus-bedingte Enzephalitiden (z.B. Equine Enzephalomyelitis, Japanische Enzephalitis und Frühsommer-Meningoenzephalitis), das equine Herpesvirus-1, die Borna‘sche-Krankheit und Tollwut. Da der Verwandtschaftsgrad der Antigene im Flaviviren-Genus hoch ist, sind Antikörper-Kreuzreaktionen möglich. Daher sollten positive Proben durch einen weiteren Test, wie z.B. den Neutralisationstest, der im humanen Bereich als Goldstandard gilt, verifiziert werden.

Dokumente

Auf einen Blick
MethodeSubstratStellenwertBestell-Nummer
ELISA*Rekombinantes Glycoprotein E des WNV IgG-ELISA; hohe Sensitivität
und Spezifität; verminderte Kreuzreaktivität mit Antikörpern  gegen FSME-Viren
EI 2662-9601 GE
ELISA Avidität*Rekombinantes Glycoprotein E des WNV ELISA zur Bestimmung der Avidität von WNV-spezifischen IgG-Antikörpern; Alternatives Prinzip zum Nachweis frischer Infektionen (kein Einfluss persistierender IgM-Antikörper)EI 2662-9601-1 GE


* Bislang keine FLI-Zulassung für den Verkauf in Deutschland.