Brucellose bei Rindern

Klinik:

Die Brucellose ist eine schon sehr lange bekannte Erkrankung bei Mensch und Tier, die durch gramnegative Bakterien der Gattung Brucella verursacht wird. Die WHO ordnet die Brucellen in die Risikogruppe III ein. Aus Rindern sind verschiedene Spezies von Brucella isoliert worden, wobei Brucella abortus am häufigsten als Auslöser der bovinen Brucellose identifiziert wurde. Werden Rinder in unmittelbarer Nähe von kleinen Wiederkäuern wie Schafen oder Ziegen gehalten, sind auch Infektionen mit Brucella melitensis möglich. Hunde und Katzen kommen als Überträger von Brucellen ebenfalls in Betracht. Bovine Brucellose ist generell als ein Herdenproblem anzusehen. Der Erreger wird oral, aber auch venerisch, kongenital oder perinatal übertragen.

Bei nicht tragenden Rindern verläuft eine Infektion meist asymptomatisch, während bei tragenden Rindern folgende klinische Symptome bzw. Folgeschäden beobachtet werden können: Spätabort, Nachgeburtsverhalten, subklinische Mastitis, Sterilität und in seltenen Fällen Sehnen- und Gelenksentzündungen. Bei männlichen Tieren kommt es zu Orchitis und Epididymitis. Brucellen werden von infizierten Tieren über die Milch oder Sekrete aus der Gebärmutter ausgeschieden und können so auch auf den Menschen übertragen und zu einem ernsten Gesundheitsproblem werden. Die humane Brucellose gilt als die am weitesten verbreitete Zoonose mit 500.000 Neuerkrankten pro Jahr.

Die wirtschaftlichen Verluste durch Aborte, verringerte Milchproduktion und Infertilität sowie die Übertragung der Erkrankung auf andere Spezies inklusive des Menschen sind enorm. In den meisten entwickelten Ländern ist die Brucellose unter Kontrolle, verschiedene Länder in Nord und Mitteleuropa, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland gelten als frei von Brucellose. Im Gegensatz dazu ist die Erkrankung in strukturschwachen Regionen häufig unbekannt bzw. wird vernachlässigt, gerade was die Übertragung durch Milch- und Fleischprodukte angeht.

Es gibt verschiedene Studien über Impfungen und Eradikationsstrategien für Brucellose bei Rindern, wobei es bisher nicht gelungen ist, den optimalen Impfstoff zu finden. Die Nachteile der aktuell verwendeten Impfstoffe umfassen z.B. das potentielle Infektionsrisiko für den Menschen, das Auslösen von Aborten bei tragenden Tieren oder die Interferenz mit diagnostischen Tests. Neben der Impfung umfassen die Eradikationsstrategien Hygienevorschriften, die sogenannte „Testen-und-schlachten- Politik“ und die kontinuierliche Überwachung.

Diagnostik:

Eine gesicherte Diagnose ist lediglich durch einen Direktnachweis der Brucellen aus dem betroffenen Gewebe wie z.B. Placenta oder Lymphknoten möglich, was aber sehr aufwändig und für das Laborpersonal potentiell gefährlich ist. Es sind daher verschiedene serologische Testsysteme für den Nachweis von Antikörpern gegen Brucella entwickelt worden, darunter die Komplementbindungsreaktion (KBR) und der Rose Bengal Test (RBT). Diese Tests sind aber zeitaufwändig und bzgl. Sensitivität und Standardisierung limitiert. So ist die KBR von der OIE (Office International des Epizooties, internationales Tierseuchenamt) für die Überwachung des internationalen Rinderhandels vorgeschrieben, hat aber Nachteile im Bereich der Abarbeitung, des Zeitaufwandes und der Standardisierung. Der RBT kann nur zu Überwachungszwecken in Brucellose-freien Gebieten angewendet werden. Die OIE nennt verschiedene serologische Tests für die Diagnose von bovinen Antikörpern gegen Brucella, darunter o.g. KBR und RBT sowie den ELISA und den Fluoreszenz-Polarisationstest, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass kein Test für alle epidemiologischen Situationen geeignet ist und dass ein positives Ergebnis mit einem Bestätigungstest verifiziert werden sollte.

Dokumente

Auf einen Blick
MethodeSubstratStellenwertBestell-Nummer
ELISA*Geeignete Bestandteile von Brucella, nativIgG-ELISA; hohe SensitivitätEI 2189-9601 GB


* Bislang keine FLI-Zulassung für den Verkauf in Deutschland.