Autoantikörper gegen Zellkerne

Klinik:

Der Nachweis von Autoantikörpern gegen Zellkerne („Anti-Nuclear Antibody“, ANA) stellt für viele Autoimmunerkrankungen ein wesentliches Diagnostikum dar. ANA sind gegen verschiedene Zellkernbestandteile gerichtet. Diese umfassen die Nukleinsäuren, verschiedene Zellkernproteine und Ribonukleoproteine.

Auch bei Hunden treten Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes (SLE) und Lupusassoziierte Erkrankungen auf. Zu den klinischen Symptomen des SLE bei Hunden gehören nicht-erosive Polyarthritis, Hautläsionen, Fieber unbekannter Genese, Glomerulonephritis, hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Polymyositis, Pericarditis und neurologische Manifestationen.

ANA treten bei fast allen (97 – 100 %) SLE-erkrankten Hunden mit meist hohen Titern auf. Bei gesunden Tieren, Hunden mit Infektionskrankheiten (z. B. Bartonella vinsonii, Ehrlichia canis, Leishmania infantum) oder anderen Erkrankungen können ANA in niedrigen Titern auftreten. Bei den milder verlaufenden diskoiden oder kutanen Lupus erythematodes (Hautsymptomatik, ohne systemische Manifestation) ist das Ergebnis für ANA meist negativ. Positive ANA-Ergebnisse und/oder reversible SLE-Symptome können, ähnlich wie bei Menschen, nach Behandlung mit manchen Medikamenten wie Antikonvulsiva (z. B. Phenytoin), Antiarrhythmika (z. B. Procainamid), Antihypertensiva (z. B. Hydralazin), dem Antimykotikum Griseofulvin und einigen Antibiotika (z. B. Tetrazykline) auftreten.

Es scheint eine gewisse Rassedisposition für SLE und Lupus-assoziierte Erkrankungen zu geben. In mehreren Studien sind Deutsche Schäferhunde überrepräsentiert (32 % – 47,6 %) sowie u. a. Nova Scotia Duck Tolling Retriever, bei denen vermehrt immunvermittelte rheumatische Erkrankung („Immune-Mediated Rheumatic Disease“, IMRD) und steril-eitrige Meningitis-Arteriitis („Steroid-Responsive Meningitis-Arteriitis“, SRMA) auftreten.

Diagnostik:

Ein indirekter Immunfluoreszenztest (IIFT) auf Basis der HEp-2-Zellen ist zurzeit die Methode der Wahl für den Nachweis von ANA bei Hunden. HEp-2-Zellen zeigen sich dabei sogar caninen Zelllinien oder Organschnitten überlegen. Am häufigsten kommt bei ANA das granuläre Fluoreszenzmuster mit negativer Chromosomenregion der mitotischen Zellen vor (75 %) und tritt vor allem bei Hunden mit Erkrankungen des Bewegungsapparats, Lethargie und/oder Fieber auf. Seltener tritt das homogene Fluoreszenzmuster auf (25 %), bei dem mitotische Zellen eine positiv gefärbte Chromosomenregion aufweisen. Dieses Muster ist charakteristisch für Tiere mit systemischer Manifestation und Symptomen wie Anämie, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Fieber, Hautläsionen und Polyurie. In beiden Fällen können die Interphasenkerne dabei granulär oder gefleckt gefärbt sein.

Dokumente

Auf einen Blick
MethodeSubstratStellenwertBestell-Nummer
IIFTHEp-2-ZellenIgG-IIFT; erster umfassend validierter Test zum Nachweis von ANA bei Hunden; Qualitative
und semiquantitative Bestimmung von ANA bei
Hunden
FA 1520-1005 C1
FA 1520-1010 C1


1 Durch den Austausch des Konjugats gegen ein Anti-Katze-IgG kann der Test auch für Katzen verwendet werden.