MERS-Coronavirus bei Kamelen

Klinik:

Das „Middle East Respiratory Syndrome“ (MERS) wird durch ein neuartiges Coronavirus (MERS-CoV) verursacht. Alle humanen MERS-CoV-Infektionen haben ihren Ursprung im Nahen Osten, wobei von den bisher aufgetretenen Erkrankungsfällen ca. 40 % tödlich endeten. Die Inkubationszeit beträgt meist weniger als eine Woche, in Einzelfällen bis zu zwölf Tage. Die Viren werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. Von besonderer Bedeutung hierbei sind respiratorische Sekrete aus den oberen Atemwegen infizierter Personen, da sie durch Niesen, Husten und damit kontaminierte Hände weitergegeben werden können. Dromedare werden derzeit als potentielle Quelle sporadischer MERS-CoV-Infektionen beim Menschen diskutiert. Antikörper gegen das MERS-CoV sind in Kamelseren gefunden worden, die schon 1983 gewonnen wurden, sodass das Virus bereits seit langer Zeit in der Kamelpopulation zu zirkulieren scheint. Die Antikörperprävalenz beträgt bei adulten Kamelen in endemischen Gebieten bis zu 100 %. Neugeborene Kamele stehen im Verdacht, das Virus zu vermehren und zu übertragen. Die Kamelkälber müssen zunächst neutralisierende Antikörper bilden und stellen bis dahin eine potentielle Infektionsquelle für den Menschen dar. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es bisher nicht.

Diagnostik:

Antikörper gegen MERS-CoV
Antikörper gegen MERS-CoV

Klinische Symptome sind bei MERS-CoV-infizierten Kamelen eher selten und generell mild. Zur Bestätigung von Verdachtsfällen einer MERS-CoV-Infektion bei Kamelen sind der Direktnachweis von MERS-CoV mittels PCR und der Nachweis von Antikörpern gegen MERS-CoV mittels indirekter Immunfluoreszenz (IIFT), ELISA oder Neutralisationstest die sichersten labordiagnostischen Verfahren. Bei der serologischen Diagnostik sind Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren, insbesondere den bovinen Coronaviren, zu beachten, die allerdings durch Verwendung einer spezifischen Domäne des rekombinanten Spike-Proteins als Antigen im ELISA verringert werden können. Mit MERS-CoV-infizierten Zellen als Substrat für den IIFT steht ein hochsensitiver Suchtest zur Verfügung, der qualitative als auch semiquantitative Nachweise von MERS-CoV-Antikörpern erlaubt. Positive Ergebnisse sollten mit einer weiteren Methode, im Idealfall einem Neutralisationstest, bestätigt werden.

Dokumente

Auf einen Blick
MethodeSubstratStellenwertBestell-Nummer
ELISAGereinigtes S1-Antigen des MERS-Coronavirus (MERS-CoV S1) IgG-ELISA; erster kommerziell erhältlicher ELISA zum Nachweis von MERS-CoV bei Kamelen, hohe Sensitivität und Spezifität; verringerte Kreuzreaktivität; geeignet für epidemiologische Studien sowie für Überwachungsprogramme EI 2604-9601 GK
IIFTMERS-Coronavirus-infizierte und nicht-infizierte ZellenErster kommerziell erhältlicher IIFT zum Nachweis von MERS-CoV bei Kamelen, hochsensitiver Suchtest; Qualitativer und semi-quantitativer Nachweis von MERS-CoV AntikörpernFI 2604-1010 GK